Federer-Debakel und Bolt-Wahnsinnslauf…(5.8.)

Es ist 0:27 Uhr und ein langer Tag ist vorbei. Noch nicht ganz, denn was mache ich noch lieber als mich jetzt ins Bett zu legen? Richtig, ein paar Zeilen zu schreiben :-)!
Geklingelt hat der Wecker heute um 9 Uhr, da unsere erste session erst um 12 Uhr in Wimbledon war. Da unser Zimmer am Vortag nicht gereinigt wurde, verstand es sich für mich von selber, dass wir heute auf Hotelkosten im angrenzenden Café frühstücken konnten, nach kurzem Zögern sah das auch der Hotel Manager ein. So genossen wir bei Müsli, Toast, O-Saft und Kaffee das Treiben in Croydon, welches zugegebenermaßen am Sonntagmorgen nicht sooo groß war. Um kurz vor elf machten wir uns zum Bahnhof auf, nicht ohne uns wie gehabt im Supermarkt einzudecken. Nun ein kleines Ratespiel: Wie schafft man es, dass 2 Personen für 6,79 Pfund in London (!) sagen wir zumindest angeheitert sind? Keiner kommt drauf? Man kaufe 4 Bier und ein Pimms im Supermarkt, und lasse dies von den zwei Personen in 20 Minuten um viertel nach elf morgens verzehren…(wie ihr wisst, darf man keine Getränke in die Wettkampfstätten mit einführen, daher waren wir gezwungenermaßen ein wenig zur Eile geboten).
In bester Laune kamen wir auf unseren Plätzen an und was sahen wir? Die dicke Williams…
Unsere Plätze waren absolute Traumplätze direkt hinter der royal box. Als erstes sahen wir eine weitere Goldmedaille (insgesamt hat die USA 3 von 6 möglichen Goldmedaillen gewonnen) der beiden Williams-Schwestern gegen zwar tapfer kämpfende Tschechinnen, doch über die gesamte Spielzeit setzte sich das druckvollere Spiel dann doch durch. Pünktlich um 14 Uhr war es dann soweit. Die beiden Heroen betraten das heilige Grün. Ich habe nun zwei Möglichkeiten: Ich schreibe die nächsten Zeilen mit meiner Federer-Brille und zeige meine große Enttäuschung über die desolate Leistung des Eidgenossen. Oder ich schreibe über die Begeisterung der Engländer bzw. korrekterweise muss ich ja in dieser Zeit von Briten sprechen, das gute Spiel des Schotten und das Erlebnis an sich.
Nach kurzer Einschlagphase ging bei herrlichem Sonnenwetter die Partie ausgeglichen los, leider nur bis zum 2:2. Von da an verlor Roger 9 Spiele in Folge (ich bin ein Statistikliebhaber, und ohne es zu wissen, behaupte ich mal, dass ihm dieses Malheur noch nie passiert ist). Somit stand es nach noch nicht einmal gespielten 90 Minuten 2:6 1:6 aus der Sicht Federers. Erschreckend war die hohe Fehlerquote des Schweizers (31 vermeidbare Fehler), der nie zu seinem Spiel fand. Nun kam man trotzdem noch Hoffnung schöpfen, immerhin ist ihm einen 0:2 Satzrückstand zu drehen, schon acht Mal in seiner Karriere gelungen, zuletzt vor gut drei Wochen gegen Bennetau an gleicher Wirkungsstätte.
Aber es sollte nicht sein, ein überragender Murray, der konsequent seine Chancen nutze (5 von 10 Breakbällen, im Vergleich Federer 0 von 9), machte den größten Triumph seiner Karriere perfekt. Die Briten waren aus dem Häuschen und bejubelten die Goldmedaille „ihres“ Schotten. Die Stimmung war als neutraler Zuschauer – welcher ich ja nicht war – sehr sehr gut, weitere Superlative möchte ich nicht verwenden, das sie noch für die Beschreibung der Ereignisse später am Abend angebrachter sind….
Nach der Siegerehrung verzichtete ich auf das Mixed-Finale, hier gewannen die Weißrussen Azarenka/Mirnyi gegen einen wahrscheinlich immer noch auf Wolke sieben schwebenden Murray mit seiner Partnerin Robson, und machte mich auf dem Weg ins Olympiastadion.
Ohne viele Worte für die stattgefunden Leichtathletikwettbewerbe (Dreisprung der Frauen, Hammerwerfen der Männer, 400m Finale der Frauen, 3000m Hindernis-Lauf der Männer, 1500m Läufe der Männer) zu machen, komme ich direkt auf das Highlight des Abends. Im Halbfinale um kurz vor acht qualifizierten sich alle Favoriten (Bolt, Blake, Gatlin, Gay und mit Abstrichen Powell) für den Endlauf. Die Stimmung stieg sekündlich als es gegen 21:50 Uhr Ortszeit ging. Man spürte das Knistern, die Spannung, das Blitzlichtgewitter wurde heftiger, es wurde lauter, die Athleten betraten das Stadion. Jeder posierte siegessicher vor den Kameras. Dann ging es los, der Startschuss fiel und 80.000 Menschen schrien für 9,63 Sekunden ihre Seele aus dem Leib. Ein sensationeller Lauf, nicht nur von Usain Bolt, sondern ebenso von den platzierten Läufern. Blake, Gatlin und Bailey liefen persönliche Bestzeit, Gay Saisonbestleistung und Bolt lief die am zweitschnellsten je gelaufene Zeit. Schneller war nur er selber bei der WM 2009 in Berlin.
Die Stimmung war einzigartig, elektrisierend, nicht fassbar. Da dies der letzte Wettkampf des Abends war, leerte sich das Stadion recht schnell, ich genoss in aller Stille noch den Augenblick und machte mich als einer der letzten dann auch auf den Weg.
Nun könnte man sagen, was soll jetzt noch kommen, was kann es besseres geben? Ich gebe Euch die Vorschau auf morgen: Um 8:30 Uhr spielen unsere Hockey-Mädels um die letzte Chance sich doch noch für das Halbfinale zu qualifizieren. Ein hoher Sieg muss gegen die Neuseeländerinnen her. Danach geht es zum Springreiten der Mannschaften. Abschließen werden die Ringer im griechisch-römischen Stil meinen Tag, und jetzt wisst ihr auch wie man den 100 Meter-Lauf noch topen kann ;-)!
Es grüßt
Usain Friesen
PS: Es ist 1:14 Uhr und in 4,5 Stunden klingelt der Wecker…!

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