Tag 2: Es geht gen Norden. Schweiz – Albanien

Die Nacht war kurz, denn schon um 8 Uhr klingelte der Wecker. Auf dem Tagesplan stand die Fahrt nach Lens, um dort das Spiel Albanien gegen Schweiz zu schauen. Pünktlich um 9 Uhr setzte sich unser Biermobil in Bewegung. Unser Navigationshelfer präferiert immer die direkten Wege von A nach B und so sind wir von Versailles startend über den inneren Ring in Paris gen Norden gefahren, einzig positiv war auf den ersten Blick die gebührenfreie Befahrung der Stadtautobahn. Nachdem ich mich aber über die erstaunlich schlechten Straßenverhältnisse echauffierte, entgegnete mir mein Co-Pilot Axel trocken, dass dies auf ein altes französisches Sprichwort zurückzuführen sei – ‚ohne Maut wird nix gebaut‘.

Gegen halb eins kamen wir in Lens an. Als Biermobilstützpunkt hatte ich den 2-3 Kilometer westlich des Stadion liegenden Supermarkt Intermarche ausgewählt. Dort kauften wir zu unserem ersten Weizen des Tages ein Sandwich und genossen für ein Stündchen die nordfranzösische Parkplatz-Atmosphäre. Im angrenzenden Backwaren-Shop gönnte ich mir noch einen eclair, eine von mir favorisierte französische Nachspeise, während Andi Käffchen trank und wir im besten Französisch (wir sprechen beide kein Wort, außer die drei Worte/Sätze die jeder kann…) uns mit der Verkäuferin unterhielten. Um kurz nach zwei und einem Campari-O stellten wir fest, dass es langsam an der Zeit ist, uns Richtung Stadion zu begeben. Nach 20 Minuten Fußweg die Straße runter waren wir am Stadion. Die Einlasskontrollen gestalteten sich wie gehabt, ein netter Schulterklopfer war die einzige direkte Kontaktaufnahme zwischen Ordner und mir. Heute war ich übrigens im Argentinien-Trikot und mit Deutschland-Fahne gekleidet. Der Argentinier an sich scheint also auch nicht im engeren Dunstkreis der Terrorfahndung zu sein.

Im Block angekommen stellten wir fest, dass wir unsere Plätze im albanischen Sektor zugewiesen bekommen hatten. ‚Nein, gegenüber ist doch die komplette Tribüne voller Albaner.‘ ‚Ne, die halbe Gegentribüne ist doch in Albanisch-Rot.‘ Von den 41.233 Zuschauern waren geschätzt mindestens 27.000 Besucher aus Südeuropa. Das erste EM-Spiel von Albanien wurde als gebührend von den Landsleuten begleitet. Das Begegnung entwickelte zu einem munteren Spielchen, bei dem die Eidgenossen früh in Führung gingen. Auch nach früher Herausstellung eines Verteidigers und dementsprechender 60-minütigen Unterzahl kämpften die Albaner tapfer und spielten sich gute Chancen heraus; die Beste zwei Minuten vor dem Ende, als ihr Stürmer alleine auf Sommer zulief. Der schweizer Torhüter machte seinem Namen alle Ehre und hielt die Alpenrepublik auf der Sonnenseite.

Nach dem Spiel liefen im Block zahlreiche Männer im hohen Alter an mir vorbei. Alle im Anzug. Da ich im Vorfeld gelesen hatte, dass der albanische Verband über 100 ehemalige Nationalspieler seines Landes zu diesem Spiel eingeladen hatte, kombinierte ich schnell und war mir sicher, dass ich einen davon ansprach. Leider konnte nur seine Tochter ein paar Worte englisch, aber der alte Herr (ich tippe er war 1968 beim legendären 0:0 – der berühmten Schmach von Tirana – gegen die Deutschen dabei) freute sich dermaßen, dass er "erkannt" wurde, dass er mich beim Tschüß sagen umarmte und über das gesamte Gesicht strahlte. Ich wiederhole mich nun, da ich das schon mal in einem der vergangenen Berichte der letzten Jahre geschrieben habe: Der Sport verbindet alle Völker und Kulturen. Es ist schön zu sehen, dass trotz oder gerade wegen der aktuellen Weltthemen alle Menschen ohne Vorbehalte aufeinander zugehen; ohne dies jetzt nur an diesem kleinen Beispiel festmachen zu wollen.

Gemeinsam mit Bekannten und Neukennengelernten aus Deutschland machten wir uns auf den Rückweg zum Biermobil. In einer 8er Gruppe fachsimpelten wir noch über das Fußball-Weltgeschehen und im Hintergrund lief das Spiel Wales-Slowakei, welchem wir ab und an unsere Aufmerksamkeit schenkten. Um 19 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Lille. In der Innenstadt ließen wir zwei deutsche Fans, die wir mitgenommen hatten, raus und fuhren durch kleine Gassen zum Campingplatz in den Süde der Stadt. Am Platz angekommen sprach die Dame leider kein Wort englisch, deutsch oder spanisch, so dass wir uns mit Händen und Füßen verständigten und eine Parzelle zugewiesen bekamen. Den Abend verbrachten wir bei Grillfleisch, Thunfisch-Salat und leckeren Getränken vor dem Wagen, ehe wir um 1:15 Uhr ins Bett gingen.

Heute starten nun die Deutschen ins Turnier, um 21 Uhr geht es gegen Ukraine um einen erfolgreichen Auftakt bei der EM-Endrunde.

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