Teil 2 (von 3): Halbfinals und FINALE 2016 / Ruhetag

Freitag morgen nach dem verlorenen Halbfinale wachten Axel und ich in Marseille auf, und ich fragte mich kurz, wohin wir heute fahren müssen. Wer spielt denn heute Abend wo? Zu unserem Erschrecken stellten wir fest, dass dies unser erster Tag in Frankreich war, an dem wir kein Spiel sehen sollten. Warum? Weil kein Spiel angesetzt war. Diese Amateure von der UEFA. Ich plädiere dafür zum Beispiel die Spiele um Platz sieben und Platz fünf einzuführen. Wir wären bestimmt hingegangen :)! Ein Tag ohne Fußball also? Hmmm, das kann ja nix werden. Wurde es aber…

— Marseille von oben —

Nachdem wir ausgeschlafen hatten, gingen wir in den Frühstücksraum des Hotels. Wie wir feststellten, war das kostenfreie Frühstück nicht uns exklusiv vorbehalten, der Raum platze aus allen Nähten. Wir schlossen daraus, dass der Wasserleitungsschaden wohl ein größerer war… Das Buffet war typisch französisch, viele Süßspeisen dekorierten die Anrichte. Aber auch Käse und Schinken wurde serviert, zwei Säfte wurden angeboten, es fehlte also für mich persönlich an nichts. So ließen wir es uns gut gehen, und füllten für den Tag unseren Energiehaushalt. Die weiteren Planungen des Tages sahen vor die Basilique Notre-Dame de la Garde zu besichtigen und danach einen schönen Strand rund um Marseille aufzusuchen. So fuhren wir nach dem Frühstück mit dem Auto zur Kirche hoch, sahen uns das alte Gemäuer an und ließen die Blicke bei herrlichem Wetter auf die Stadt schweifen. Von der Anhöhe aus konnte man ganz Marseille inklusive des Umlandes betrachten, ein schöner Ausblick.

Gegen Mittag machten wir uns auf gen Süden. Marc und Dani waren die letzten Verbliebenen aus unserer Gruppe, die das gleiche Vorhaben wie wir hatten. Per Whatsapp schrieben wir uns, wo schöne Strände liegen sollten, und nach über einer Stunde Fahrt hatten wir unser Ziel erreicht. Dies dauerte deshalb so lange, weil der erste Strand, den wir auserkoren hatten, nur per 45-minütigem Fußmarsch zu erreichen gewesen wäre. Das war uns dann doch zu lang, und so entschieden wir uns für den nächsten Strand. Eine kleine Bucht lud uns zum Sonnenbaden ein, kristallklares Wasser, wie ich es eigentlich erst zwei Wochen später bei meinem Erholungsurlaub auf Sardinien erwartet habe, machte das Fleckchen Erde als idealen Standort für unseren Nachmittag aus. Die Liegeflächen auf dem schmalen Strandstück waren fast schon restlos belegt, wir fanden aber noch einen schönen Platz direkt am Wasser. Ohne die kurz zuvor noch gekaufte Sonnencreme hätten wir maximal 30 Minuten aushalten können, so konnten wir dick eingecremt den ganzen Nachmittag abwechselnd zwischen Sand und im seichten Wasser verbringen.

— Französische Bekanntschaften —

Neben uns gesellte sich die Dorfjugend, der wir einige Aufmerksamkeit schenkten. Es war sehr amüsant zu sehen, wie die beiden Chefs der Clique, auf ihren Liegen ihre Untertanen im Griff hatten. Ausgestattet mit Wasserpfeife, Musikanlage und diversen Köstlichkeiten, die sie verspeisten, ließen sie sich es auf ihren 130kg Körpern von ihren Mädels eincremen und von den anderen Jungs den Arm aus der Sonne legen. Wenn die beiden dann auch mal eine Erfrischung im kühlen Nass suchten, durften die anderen auch mal liegen. Ein Bild für die Götter. Wir kamen sogar am Ende kurz ins Gespräch, und ließen uns belehren, dass die ganze EM ja nur gekauft sei, genau so wie Frankreichs WM Sieg 1998. Frankreich wäre eh scheiße, Deutschland wäre das Maß aller Dinge. Und das alles mit einem englischen Wortschatz, den man an einer Hand abzählen kann. Mit einem freundlichen Inschallah wurden wir verabschiedet… Auch dieser Strand befand sich ca. eine gute Fußstunde vom nächsten Dorf entfernt, mit dem Unterschied, dass dieser jedoch auch mit dem Auto zu erreichen war. Zahlreiche Besucher waren aber auch zu Fuß da, und so fragte uns eine Französin bei Anfahrt, ob wir sie mitnehmen könnte. Klar, warum nicht? Eine gute Tat pro EM ist drin… Schwupp, waren auf einmal drei junge Mädels auf der Rückbank, geschätzt zwischen 13 und 17 Jahre alt, weiß man ja heutzutage nicht mehr so genau. Auch hier wieder das gleiche Bild, Frankreich ist merde, vive la Mannschaft. Schweinsteiger konnten sie besser aussprechen als 80% der Deutschen. Nach ca. 10 Minuten war diese Odysee dann auch vorbei. Unser Ziel war nun Macon, 400km nördlich von Marseille gelegen, genau zwischen Marseille und Paris. Ich hatte dort ein günstiges Zimmer gebucht, so mussten wir nicht die 800 km in einem durch fahren, sondern konnten ein paar Stunden dazwischen schlafen.

— Macon, klein, aber oho… —

Um halb elf kamen wir in Macon an, bezogen unser Zimmer und fragten an der Rezeption, ob wir noch etwas essen könnten und wenn hier nicht, wo in der Stadt. No no, tres difficile… MäckDoooo. Nach fast vier Wochen Frankreich wisssen wir, dass die Franzosen nicht McDonalds sagen, sondern es eben so abkürzen. Wir fuhren in die Stadt, aßen noch einen Kebap, und suchten noch eine Lokalität für ein Abschlussbierchen. Wir wollten recht früh ins Bett, was sollte das kleine Städtchen schon bieten? Ein paar Straßen abgefahren, fanden wir im Orstkern auch eine Bar, in der ein DJ beste französische Houseklänge auflegte, das bizarre war nur, außer uns beiden waren nur noch zwei andere Gäste da. Das störte uns nicht ein Bier zu bestellen und so saßen wir draußen bei dem lauen Sommerabend. Mit der Zeit füllte sich der Schuppen aber mehr und mehr und wir beobachteten einfach wie Franzosen Freitag Abends ausgehen. Innen gab es eine Dartscheibe und so überredete ich Axel noch eine Runde Dart zu spielen. Eigentlich wollten wir ja schon lange gehen, aber mit einem kleinen Bier testeten wir zu später Stunde noch unsere Zielsicherheit. Mittlerweile waren wir wieder fast alleine in der Bar, und der Besitzer – Jonathan –  forderte uns gegen 1 Uhr auf bitte zu zahlen, da er schließen müsse. Gesagt, getan, wir zahlten unsere konsumierten Getränke und der Barkeeper, gleichzeitig der Besitzer, lud uns noch auf einen Schnaps ein. Was soll ich sagen, aus einem wurden mehrere, wir quatschten noch eineinhalb Stunden, alle Getränke gingen ab dann aufs Haus, er stellte uns seinen Bruder vor, seines Zeichens bucheron… Mit Händen und Füßen wurde uns erklärt was er macht, anhand seiner Statur kamen wir relativ schnell darauf, dass er Holzhacker war. Auch hier ein Bild was man kaum in Worte fassen kann: Der Bär sprach nur Französisch und dies tat er aber auch nicht, er stand die ganze Zeit neben uns, während wir auf Englisch, Spanisch, und was weiß ich noch, uns angeregt unterhielten, lachten, Späße machten, und nickte ab und zu. Sein Bruder fragte ihn ab und an, ob er es verstanden habe, und er lächte nur… Herrlich.

— Griezmann ist in der Stadt… —

Ganz am Schluss fragte Jonathan uns noch, ob wir wissen würden in welcher Stadt wir überhaupt wären? Auf unsere fragenden Blicke erzählte er uns, dass Macon die Geburtsstadt eines gewissen Antoine Griezmann ist. Da waren wir baff, 24 Stunden zuvor haut der Junge uns noch achtkantig aus dem Turnier raus, jetzt feierten wir in „seiner“ Stadt… Irgendwann um kurz vor 3 Uhr war dann wirklich Feierabend und wir machten uns auf ins Hotel. Schnell schliefen wir ein, am nächsten Morgen wartete sozusagen die zweite Halbetappe der Süd-Nord-Durchquerung  auf uns.

Um 9 Uhr standen wir mehr oder weniger freiwillig auf, schnelle Dusche und dann ging es auch schon los. Tempomat rein, 4 Stunden später kamen wir an dem Samstag, einem Tag vor dem Finale, in Paris an. Wie das Wochenende verlief, warum man beim Hütchen nicht seine komplette Urlaubskasse setzen sollte, welcher Ort, auch wenn ich bestimmt schon sieben, acht Mal in Paris war, immer wieder ein Besuch wert ist und warum mein drittes EM-Finale in Folge einmalig war, schreibe ich in meinem nächsten, dann auch wirklich letztem Bericht zu dieser EM.

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