Sport Wochenende at its best…

Das vergangene Wochenende verdient es – mal wieder nach einiger Zeit – einen kleinen Bericht zu schreiben. Es sollte ein Wochenende der Superlative werden, um mich mal bezüglich der Wortwahl in Buschis (Frank Buschmann) Sphären zu begeben, wenn es um die Beschreibung von Begeisterung, Leidenschaft und Verrücktheit im Sport geht. Die 65 Stunden zwischen Freitagmittag und Montagmorgen sollten gefüllt sein mit Tennis, Darts, Fußball, Olympiasportlern, nochmal Tennis, einer rauschenden Ballnacht und Football, und all das zusammen mit meinem Freund Philipp.

— Davis Cup in der Fraport Arena —

Los ging es am Freitagmittag mit einer Davis Cup Partie. Die Auslosung im vergangenen Oktober bescherte der deutschen Tennis-Equipe ein Heimspiel gegen unseren Nachbarn aus Belgien. Nachdem deren Top-Spieler Goffin, in der Weltrangliste aktuell auf Platz zehn geführt, kurzfristig abgesagt hatte, waren die Mannen um Sascha Zverev und Philipp Kohlschreiber großer Favorit auf ein Weiterkommen in die nächste Runde. Neben vier Tenniskollegen aus meiner Mannschaft gesellte sich noch Liesbeth zu uns, belgischer Edel-Fan, die ihrem Land nicht nur beim Fußball nachreist, sondern auch beim Tennis. So wie an diesem Freitag. Liesbeth kenne ich von der EM 2016, bei der sie teilweise mit uns im Wohnmobil durchs Land gefahren ist und wir gemeinsam einige Spiele gesehen haben, inklusive dem belgischen Ausscheiden im Viertelfinale gegen Wales. (Ihr erinnert Euch…)

Das erste Einzel trugen unser Veteran Kohlschreiber – seit 10 Jahren für unsere Farben im Einsatz – und Steve Darcis, aktuelle Nummer 59 der Weltrangliste, aus. Es entwickelte sich ein spannendes Spiel mit teils langen Ballwechseln. Und doch steuerte Favorit Kohlschreiber nach anfänglichen Problemen dem Auftaktsieg entgegen. Eine 2:1 Satzführung und Break vor im vierten Satz, der erste Sieg für Deutschland war gedanklich nicht nur bei mir schon fest verbucht. Leider kam es wie es kommen musste, auch die hohe Führung im entscheidenden fünften Satz konnte der 33-jährige Augsburger nicht nach Hause bringen, und so gewann der Wallone Darcis nach knapp vier Stunden aufopferungsvollem Kampf die Partie. Die Enttäuschung war groß, aber bei insgesamt fünf auszutragenden Partien darf man auch zwei verlieren, um dennoch als Sieger aus dem Ländervergleich zu gehen – große Mathematik…;)!

— Zverev unter Druck —

Im zweiten Einzel duellierten sich die zwei Youngster Zverev und de Greef. Zu diesem Spiel traf auch Philipp an der Fraport Arena ein. Ich begrüßte ihn vor der Halle mit einem festen Händedruck. Warum das so erwähnenswert ist? Durch ´Zufall´ hatte er von nun an auch den erforderlichen Stempelabdruck an seinem Handgelenk und konnte so die Halle (offiziell: wieder) betreten.

Bei diesem Vergleich war der deutsche Zweimeter-Hüne haushoher Favorit, gilt er doch bei Experten und auch vielen Nicht-Experten als kommende Nummer 1 der Welt. Derartige Vorschusslorbeeren haben noch keinem jungen aufstrebenden Sportler gut getan. Das sollte sich zwar zunächst nicht an diesem Freitag, aber doch an dem Wochenende mal wieder zeigen. Zverev gewann die Partie mit sehr gutem und druckvollem Spiel souverän in drei Sätzen und bescherte Deutschland somit den verdienten Ausgleich.

An den kommenden Tagen sollten mich andere Aktivitäten von einem weiteren Besuch in der Arena abhalten. Deutschland verlor mit den Zverev-Brüdern sowohl das Doppel am Samstag als auch die beiden Einzel am Sonntag und muss somit im September in der Relegation um den Klassenerhalt in der Weltgruppe kämpfen. Dies taten sie auch schon in den letzten zwei Jahren, und dies auch noch erfolgreich. So besteht also die Hoffnung, dass sozusagen der Hamburger SV des Tennissports, auch im 118. Jahr seiner Austragung in der höchsten Liga des Davis Cups dabei sein wird.

Um den Tag ausklingen zu lassen, gingen wir bei mir in Maintal noch eine Runde Darts spielen. Hier zeigte sich bei manchen mehr, bei manchen noch mehr, wie viel Zielwasser sie über den Tag zu sich genommen hatten, und es entwickelten sich hochklassige Matches. Nach einem letzten kühlen Getränk gingen wir gegen Mitternacht nach Hause.

Der Samstagvormittag stand ganz im Zeichen des turnusmäßigen Wocheneinkaufs. Darauf näher einzugehen würde erstens nicht zur Thematik des Blogs passen, zweitens Euch langweilen und drittens auch keine spektakulären Stories hervorbringen.

— Ball des Sports 2017 —

Um 14 Uhr ging es dann nach Wiesbaden. Das Kurhaus und die für dieses Wochenende errichtete Ball-Arena auf dem davor gelagerten Bowling Green war das Ziel der knapp einstündigen Fahrt. Nach der Ankunft und Akkreditierung im Pressecenter richteten meine Kollegen und ich uns ein. Eine Begehung der Örtlichkeiten, letzte Vorbereitungen und zwei halbe Brötchen später trafen dann gegen 17.30 Uhr auch schon die ersten Ballgäste ein. Ich nahm meine Position auf dem roten Teppich ein, immer im Schlepptau mit meinem Fotografen, der die ankommenden Besucher auf meine Anweisung hin fotografierte. Desto näher der Beginn des Ballabends rückte, desto wichtiger und prominenter wurden die Gäste und ich hatte alle Hände voll zu tun, diese rauszufiltern, die wir in unserer am Montag erscheinenden Ballzeitung veröffentlicht haben wollten. Nach kurzen Plauschs mit den de Maizères, Wulfs, Beckers, Kochs, von Metzlers, Hallervordens, Hambüchens, Bouffiers, Reuters, Grindels, Biedermanns usw. usw. ging die Gala los. Nach der Auswahl der besten Motive und der Erstellung der passenden Bildunterschriften war das Ballmagazin im Kasten und die Datei bei der Druckerei.

— Feiern mit den Stars —

Unser Job war also erledigt und wir konnten im übertragenen Sinne die Seiten wechseln und bei der After-Show-Party ein wenig mitfeiern. Die Sportfreunde Stiller spielten in 60 Minuten einen Schwank aus ihrem Liederrepertoire, danach legte Smudo im Nebenraum bis tief in die Nacht auf. Während einer kleinen Stärkung mit traditionellen Weißwürsten im bayrischen Stüberl gesellten sich Bundespräsident a.D. Wulff nebst Gattin Bettina an unseren Nebentisch und ließen es sich genauso gut gehen wie wir. Auf Nachfrage, welcher Longdrink aus der gegebenen Auswahl denn am bekömmlichsten sei, wählte Bundesinnenminister de Maizère auf meine persönliche Empfehlung hin den Mojito aus. Ein paar Selfies durften natürlich nicht fehlen, wobei der Respekt den Persönlichkeiten gegenüber und die Situation an sich es so darstellten, dass ich auf Fotos mit den erwähnten Politikern verzichtete, und eher ausgewählte Sportler um ein Erinnerungsbild bat.

Zum Abschluss gönnte ich mir noch zwei Moscow Mules, ehe ich dieses Jahr mit meinem persönlichen Chauffeur (kleiner Insider) um 6:15 Uhr das Kurhaus in Wiesbaden verließ. Um 7.15 Uhr begrüßten mich meine Kinder an der Haustür. Nach kurzen Erzählungen, wo der Papa denn war und was er so die ganze Nacht gemacht hat, und einem Kakao später, durfte ich mich dann auch ein wenig ausruhen gehen.

— Tennistraining von mir und für mich —

Pünktlich um 10:20 Uhr klingelte der Wecker. Dieses Mal in Form von meiner Frau. Das war mir dann doch sicherer als mich auf irgendeine Technik, die man auch überlisten kann, verlassen zu müssen. Denn, auf der Tagesagenda stand: Tennis Training geben, Tennis spielen, ausruhen, Fußball spielen und irgendwann, das war noch ganz weit weg, nachts den Super Bowl schauen. 3 Stunden Power-Napping mussten also für diese Tagesprogramm ausreichen. Um Punkt 11 Uhr stand ich auf dem Tennisplatz und hatte vier sieben- und achtjährige Kinder um mich herum, die voller Tatendrang beigebracht bekommen wollten, wie man die gelbe Filzkugel möglichst oft mit einem Schläger – mit dem man auch außer den Ball zu treffen viel Blödsinn anstellen kann – über das Netz bekommt. Um 12 wurden die Kinder abgelöst, eine weitere Stunde später war dann der passive Teil auf dem Court beendet und ich spielte noch eine Stunde selbst Tennis. Gegen die Nummer 377, nein nicht der Welt, aber von Deutschland, brachte ich meinen Kreislauf auf Touren. Denn, auch die Nummer 377 aller deutschen Frauen (sie ist 15 Jahre alt und spielte bis vor ein paar Jahren in meinem Verein) drischt auf die Kugel härter ein, als ich es je getan habe und tun werde…

— Warum nicht zum Hessenderby? —

Zu Hause angekommen überlegten Philipp und ich, wie wir den Nachmittag gestalten könnten. Der geplante Abendkick in der Fußballhalle fiel kurzfristig mangels Beteiligung aus. Die Beine waren schwer, der Geist nach der kurzen bzw. nicht vorhandenen Nacht müde, und doch fiel auch obligatorisch ein Blick auf den Spielplan aller Fußballligen. Wie der Zufall es wollte, spielte die Eintracht im Hessenderby gegen die Lilien aus Darmstadt. Ohne Witz wurden mir unabhängig voneinander in einem Zeitraum von fünf Minuten zwei Einzelkarten angeboten (eine vom erkälteten Nachbar, der mir seine Dauerkarte überließ und eine von einem ehemaligen Arbeitskollegen, der sie auf Facebook offeriert hatte). Jetzt noch schnell unter die Dusche, eine kleine Zwischenmahlzeit eingenommen und schon saßen wir um kurz nach vier im Auto.

Wir mussten noch einen kleinen Abstecher nach Weiterstadt (zwischen Frankfurt und Darmstadt) machen, um dort das zweite Ticket abzuholen und zu erhalten. Danach ging es direkt auf den Waldparkplatz im Frankfurter Süden. Viel Zeit nach einer idealeren Parkplatzsuche blieb dieses Mal nicht, und so kamen wir zehn Minuten vor Spielbeginn nach 30-minütigem Fußmarsch am Stadion an. Philipp schleuste ich in meinen Block mit ein, nein eigentlich war ich dieses Mal völlig unbeteiligt. Nachdem ich den Block betreten hatte, stand er schon neben mir. Auf der Gegengerade im Unterrang in Reihe 13 sahen wir mit bester Sicht auf das Grün die Choreographie der Eintracht. Die komplette Westkurve stand mit dem Rücken zum Spielfeld und der Trikotnummer 12 eingekleidet und feierte sich selbst. Der passende Banner („Mit dem Adler auf der Brust und dem 12. Mann im Rücken“) rundete diese Choreo ab. Dummerweise – aus Frankfurter Sicht gesehen – war diese Aktion schon im Vorhinein zu den Darmstädtern durchgesickert. So konterten sie keck mit dem Spruchband „Dreht euch um, dann gibt’s auf die 12“. Und dann begann das hochklassiges Derby. Gut, ist vielleicht ein wenig übertrieben. Nein, es ist maßlos übertrieben. Darmstadt konnte nicht und Frankfurt? Konnte auch nicht. Beide waren sehr bemüht, die südhessischen Verteidigungslinien standen bis zur 75. Minute auch hervorragend. Doch dann erlöste der Japaner Hasebe die Frankfurter mit einem zielsicher verwandelten Elfmeter. Der gute Rebic erhöhte ein paar Minuten später zum verdienten Endstand. Und so freuen sich die Anhänger, die ganze Stadt und nicht zuletzt natürlich die Mannschaft selber über eine Momentaufnahme, die besagt, dass die Eintracht vom Main die drittbeste deutsche Mannschaft ist. Nach zügigem Rückmarsch waren wir ohne Verkehrsbehinderungen eine viertel Stunde nach dem Losfahren zu Hause.

— Super Bowl 51 —

Und dann waren es nur noch vier Stunden bis zum Kick off des Super Bowls. Normalerweise wäre ich um zehn Uhr ins Bett gegangen oder eher gefallen, aber das letzte Highlights des Wochenendes durfte ich nicht verpassen. So aßen Britta, Philipp und ich noch gemeinsam zu Abend, schauten uns noch mal die Höhepunkte der Sonntagsspiele an und warteten sehnsüchtig auf die amerikanische Nationalhymne. Diese  riss uns dann auch um kurz vor halb eins aus unserem Halbschlaf. Das Spiel begann und es entwickelte sich eine einseitige Partie. Die Falcons aus Atlanta beherrschten ihren Gegner sowohl in der Defensive als auch in der Offensive und so stand es schnell 21:0. Keine Vorentscheidung im Football, aber doch ein beträchtlicher Vorsprung.

Während die Zuschauer mit der berühmt berüchtigten Halftime-Show beglückt wurden, in der sich Lady Gaga ganz ihrem Namen angemessen vom Dach des Stadions ins Innere abseilen ließ, und dabei ihre Gassenhauer von sich gab, tranken die Spieler ihren Pausentee. Die dazugehörige Kabinenansprache der New England Patriots muss aber von Motivationskünstler Jürgen Klinsmann, „ich habe fertig“-Wutredner Giovanni Trapattoni und Schleifer Felix Magath („Qualität kommt von Qual“) zusammen gehalten worden sein, anders kann ich mir die Verwandlung der Mannen aus Boston nicht erklären.

— Die Mutter aller Comebacks! —

Endlich mit mehr Biss in allen Aktionen wurde es zu einem ausgeglichenen Football-Match. Man sah den Falcons buchstäblich an, wie sie – kurz vor ihrem größten Triumph in ihrer Vereinsgeschichte – wie das Kaninchen vor der Schlange standen und ihre Felle davon schwimmen sahen. Und sie schwommen davon. Tom Brady, Quarterback der Patriots, zog noch rechtzeitig den Kopf aus der Schlinge, und so war nach über vier Stunden das größte Comeback in der Super-Bowl-Geschichte perfekt. So einen großen Rückstand hat noch nie eine Mannschaft aufgeholt. Noch nie gab es eine Verlängerung in den vorangegangenen 50 Super Bowls. Fünf Meisterschaften, die Amis nennen es ganz unbescheiden Weltmeisterschaften, hat vorher noch kein Quarterback errungen. Superlative über Superlative. Und welch angemessener Abschluss für mein Wochenende voller toller Erlebnisse. Um 5:15 Uhr machte ich den Fernseher aus, um 6:40 Uhr weckten mich die beiden Kinder und wunderten sich warum ich schon zu Hause sei (kleiner Spaß ;)). Das morgendliche Ritual begann: Brote schmieren, Kinder zur Schule schicken, duschen, Kinder zum Kindergarten fahren, sich in den Stau stellen, von Touchdowns träumen, um dann pünktlich um 9 Uhr den Rechner auf der Arbeit hochzufahren.

Das war mein Wochenende. Und, um es in Buschis Worten auszudrücken: Gigantisch, fantastisch, da bekommste Hühnerpelle, Wahnsinn, ich werd bekloppt, einfach nur geil!

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine schöne Woche, weiter geht es die nächsten Wochen bei mir ausschließlich mit dem runden Leder. Die Partien Darmstadt – Dortmund, Bayern – Arsenal, Köln – Bayern und Mönchengladbach – Bayern stehen auf dem Programm. Wenn es was zu berichten gibt, berichte ich.

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